Ist der Bitcoin das bessere Gold? Marktanalyse von Bernhard Kuenzle

Ist der Bitcoin das bessere Gold?

Bitcoin wird oft als digitales Gold bezeichnet. Doch schützt die Kryptowährung in Krisen wirklich so gut wie das Edelmetall? Die fehlende Korrelation zeigt klare Unterschiede.

Während im Nahen Osten erneut ein Krisenherd entbrannt ist, zeigt sich die Welt einmal mehr tief verunsichert – der Goldpreis ist bereits wieder auf dem Rekordniveau vom Januar angelangt. Das ist kein neues Phänomen, denn seit Jahrhunderten fasziniert Gold durch seine Beständigkeit. Wenn die Aktienmärkte weltweit einbrechen, geopolitische Spannungen zunehmen oder die Inflation die Ersparnisse aufzufressen droht, flüchten Anleger traditionell in das gelbe Metall. Seine physische Begrenztheit und die Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen verleihen ihm einen inneren Wert, der gerade in instabilen Zeiten Vertrauen schafft. Gold funktioniert zudem völlig autark – es benötigt weder Strom noch Internetverbindung, um seinen Wert zu repräsentieren. Wer in Gold investiert, sucht in der Regel nicht das schnelle Geld, sondern die langfristige Sicherheit in einer unbeständigen Welt.

Versprechen des digitalen Goldes

Mit dem rasanten Aufstieg von Bitcoin vor über einem Jahrzehnt entstand schnell das Bild vom digitalen Gold. Die theoretischen Parallelen sind auf den ersten Blick eindrücklich: Genau wie das Edelmetall ist Bitcoin dezentral organisiert und nicht beliebig vermehrbar. Sein mathematischer Code begrenzt die Gesamtmenge auf exakt 21 Millionen Coins. Befürworter argumentieren, dass Bitcoin denselben Inflationsschutz wie Gold biete – jedoch mit dem massiven Vorteil der Digitalisierung. Man kann Werte in Millionenhöhe weltweit in Sekundenschnelle transferieren, ohne schwere Barren physisch bewegen zu müssen.

Mythos der Korrelation

Wäre Bitcoin tatsächlich die moderne, digitale Version von Gold, müssten sich beide Anlageklassen in Stressphasen an den Weltmärkten zumindest ähnlich verhalten. Es müsste eine positive Korrelation bestehen: Fällt der breite Aktienmarkt aufgrund von Unsicherheit, sollten Gold und Bitcoin beide steigen, da das Kapital der Anleger in Sicherheit gebracht wird. Die Marktrealität der letzten Jahre zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Als zu Jahresbeginn Venezuela angegriffen wurde, flüchteten Anleger ins Edelmetall, während Bitcoin Verluste hinnehmen musste. Ein identisches Muster war auch während der Coronakrise zu beobachten. Bitcoin verhält sich in echten Panikphasen bisher nicht wie ein sicherer Hafen, sondern eher wie eine spekulative Technologieaktie mit enormem Hebel.

Volatilität als Fluch und SegenVolatilität als Fluch und Segen

Ein Hauptgrund für dieses abweichende Verhalten ist die ausgeprägte Volatilität von Bitcoin. Während der Goldpreis oft nur um wenige Prozentpunkte schwankt und genau dadurch Stabilität vermittelt, sind zweistellige Kurseinbrüche innerhalb weniger Stunden bei Bitcoin keine Seltenheit. Diese Schwankungen ziehen verstärkt kurzfristig orientierte Anleger an. Viele dieser Investoren kaufen Bitcoin nicht zur konservativen Absicherung ihres Vermögens, sondern in der Hoffnung auf hohe, kurzfristige Kursgewinne.

Zwei unterschiedliche Welten

Ist Bitcoin also das bessere Gold? Auch wenn Bitcoin-Enthusiasten das so sehen mögen, nach aktuellem Stand der Marktentwicklung lautet die Antwort: Nein. Bitcoin ist eine fundamental andere Anlageklasse mit einem völlig unterschiedlichen Risikoprofil. Das werbewirksame Versprechen vom digitalen Gold ist ein plakatives Schlagwort, das der komplexen Marktrealität bisher nicht standhält. Die Krypto-Technologie bietet zweifellos faszinierende Chancen und die Blockchain hat ihre Daseinsberechtigung. Doch im Gegensatz zu Gold muss der Bitcoin seine Funktion als sicherer Hafen in Phasen systemischer Krisen erst noch unter Beweis stellen.

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